Die Montessori-Methode ist derzeit als pädagogisches Konzept für unsere Kinder sehr präsent. Heutzutage gibt es vielfältige Materialien, mit denen man diese Methode umsetzen kann, darunter unter anderem Montessori-Spielzeug oder spezielle Möbel. Doch auch wenn es derzeit so scheint, ist die Montessori-Methode keineswegs eine Erfindung unserer Zeit.
Die Montessori-Methode wird bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts angewendet. Derzeit erlebt sie einen neuen Aufschwung, da sich Bildungseinrichtungen für ihre Umsetzung entschieden haben, Familien sie in die Praxis umsetzen und Hunderte von Marken weltweit Montessori-Produkte und -Spielzeug entwickeln.
Die Montessori-Pädagogik wurde von der italienischen Pädagogin und Ärztin Maria Montessori entwickelt. Sie begann ihre Arbeit in einem sozial schwachen Stadtteil in Rom, wo sie unter anderem Kinder betreute.

Während sie mit Kindern arbeitete, die unter sozialer Ausgrenzung litten, begann sie, ihre eigene Pädagogik umzusetzen. Ein Unterricht, der auf der persönlichen Entwicklung und der Selbstständigkeit jedes Einzelnen, der Freiheit der Kinder innerhalb bestimmter Grenzen und vor allem auf der sozialen und körperlichen Entwicklung der Kinder basierte. Dank ihrer Fortschritte und der guten Ergebnisse bei der Umsetzung ihrer Pädagogik wurde 1912 ihr Buch „Die Montessori-Methode“ veröffentlicht.
KERNPUNKTE DER MONTESSORI-METHODE
Jedes Kind hat andere Eigenschaften als die anderen; deshalb kann jedes Kind in derselben Situation anders reagieren. Wenn es uns gelingt, das Potenzial jedes Kindes zu entfalten, und wenn jedes Kind seine Stärken entwickeln kann, wird das Lernen befriedigender und damit für das Kind von größerem Nutzen sein.
Bei der Anwendung dieser Methode dürfen wir nicht vergessen, dass das Kind stets die Aktivität leitet und der Erwachsene (Lehrer, Elternteil oder Betreuer) das Geschehen aufmerksam beobachtet.
Auch der Montessori-Raum bzw . das Montessori-Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Für die Umsetzung der Methode ist die Gestaltung von entscheidender Bedeutung. Das Kind sollte sich in einem geräumigen, offenen Raum befinden. Dieser muss aufgeräumt sein, Schlichtheit ausstrahlen und authentisch wirken; eine künstlich erzeugte Fantasiewelt verliert ihren Sinn. Im Montessori-Umfeld muss alles einen Sinn und einen Zweck für die Entwicklung des Kindes haben.
Wenn wir beispielsweise eine Montessori-Umgebung schaffen wollen, müssen wir uns bewusst sein, dass alles für die Kinder erreichbar sein muss. Die Materialien, Regale, Tische, Stühle … müssen sowohl zu Hause als auch in der Schule auf ihrer Höhe sein. Eines der besten Hilfsmittel, um dies zu ermöglichen, sind Lerntürme.

Warum muss dem Kind alles zugänglich sein? Weil, wie wir bereits erwähnt haben, das Kind die Aktivität leitet und selbst entscheiden muss, welches Material es benötigt oder welche Elemente es nutzen kann, um seine Aufgabe oder sein Spiel zu gestalten.
Nach der Montessori-Methode soll das Kind durch Entdeckung lernen. Das Kind lernt stets durch direkten Kontakt und durch die praktische Anwendung der Aufgaben oder Hilfsmittel, für die es sich entscheidet.
WIE WIRD DIE MONTESSORI-METHODE JE NACH DEM ALTER DES KINDES ANGEWENDET?
Die Entwicklung der Montessori-Methode durchläuft je nach Alter des Kindes verschiedene Phasen. Für Maria Montessori gab es vier verschiedene Entwicklungsstufen.
- 1: Der „aufnehmende Geist“ des Kindes: von 0 bis 6 Jahren
- 2: Kindheit: von 6 bis 12 Jahren
- 3: Jugendalter: 12 bis 18 Jahre
- 4: Reifealter: 18 bis 24 Jahre.
Wir werden uns auf die Entwicklungsstadien im Alter von 0 bis 6 Jahren konzentrieren. Diese lassen sich in zwei Phasen unterteilen: das Unbewusste und das Bewusste.
Im Alter von 0 bis 3 Jahren (unbewusstes Bewusstsein) lernt das Kind ständig dazu. Alles, was das Kind aufnimmt, geschieht unbewusst; es handelt sich um Lernerfahrungen, die ihm sein unmittelbares Umfeld sowohl in der Familie als auch in der Bildungseinrichtung vermittelt. In diesen Jahren lernt das Kind beispielsweise sprechen, Hygienegewohnheiten, es wird in der Lage sein, die Realität zu unterscheiden und auch ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu erlangen. In dieser Phase nutzt das Kind alle seine Sinne, um so viele Informationen wie möglich aus seiner Umgebung aufzunehmen.

Im Alter von 3 bis 6 Jahren (bewusste Wahrnehmung) beginnen Kinder, sich bewusst wahrzunehmen, was bei jeder einzelnen Handlung, Aktivität oder jedem Spiel geschieht. Das Kind beginnt zu verstehen und zu begreifen, wohin seine Handlungen führen. Hier beginnt das Kind, sein Gedächtnis, seine Konzentration, die Kontrolle über seine Umgebung, seine Geduld, seine Kreativität und seinen Willen zu trainieren.

Mit welchen Hilfsmitteln wird die Montessori-Methode umgesetzt?
Alle Hilfsmittel, die dem Kind bei dieser pädagogischen Methode zur Verfügung stehen – seien es Gegenstände aus dem Haushalt, Schulmaterialien oder Montessori-Spielzeug –, weisen mehrere Gemeinsamkeiten auf.
- Zum Anfassen: Kinder lernen mit ihren Händen.
- Sinneserfahrungen: Das Lernen über die Sinne ist von grundlegender Bedeutung.
- Naturbelassen: Hergestellt aus umweltfreundlichen Materialien.

UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DER MONTESSORI-METHODE UND ANDEREN METHODEN
Bei der traditionellen Unterrichtsmethode wird der Lernprozess vom Lehrer geleitet, während beim Montessori-Ansatz das Kind selbst den Lernprozess bestimmt.
Im traditionellen Unterricht richtet sich der Lernstoff nach dem Alter des Kindes, während sich bei Montessori der Lernstoff nach dem individuellen Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes richtet.
Im traditionellen Unterricht gibt der Lehrer dem Kind vor, welchen Weg es einschlagen oder wie es sich in bestimmten Situationen im Klassenzimmer verhalten soll; beim Montessori-Unterricht hingegen soll das Kind seine Aktivitäten selbst lenken, während der Lehrer beobachtet.
Die Gestaltung des Klassenzimmers, der Arbeitsbereich, die Aufteilung der Materialien, der Lehrplan, die Leistungsbewertung, die Materialien sowie die Art und Weise, wie die Aufgaben verteilt werden, unterscheiden sich grundlegend zwischen dem, was wir als traditionelles Bildungssystem kennen, und dem von der Italienerin Maria Montessori entwickelten Bildungssystem.

Neben der Montessori-Methode gewinnen in der westlichen Welt auch andere pädagogische Ansätze zunehmend an Bedeutung. Die Waldorfpädagogik ist eine davon. Ein Ansatz, der sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufweist.
Bei Waldorf steht das Kind im Mittelpunkt der Erziehung, diese wird jedoch nicht von ihm bestimmt. Die Erziehung des Kindes erfolgt unter Berücksichtigung seines Alters und gliedert sich in drei Phasen: die Hände, das Herz und der Kopf.
Im Gegensatz zum Montessori-Ansatz, der sich an der Realität orientiert, werden hier Kreativität und Fantasie gefördert. Man lehnt es ab, den Intellekt des Kindes vor dem 7. Lebensjahr zu fördern. Vorrang haben freies Spielen, Bewegung, Vorstellungskraft, Kunst, Rhythmen usw.
Die Unterrichtsräume ähneln den traditionellen Klassenräumen, wobei für jede Aktivität ein eigener Bereich vorgesehen ist.
Der Lehrer hält sich im Unterricht an einen Lehrplan, während bei der Montessori-Methode die Freiheit und die Anpassung der Inhalte vom Kind selbst bestimmt werden.
Waldorf -Spielmaterialien oder -Spielzeuge sind offen gestaltet und nicht auf einen bestimmten Zweck ausgerichtet, was die Kinder dazu anregt, ihre Kreativität zu entfalten.

Kanntest du die Montessori-Methode? Verfolgst du zu Hause einen traditionellen Unterrichtsansatz oder setzt ihr auf einen anderen Ansatz?








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